Schwarmverhinderung - neue Wege
6. Mai 2012
Mein Volk B ist ja im Augenblick sehr in Schwarmstimmung. Trotz frühzeitiger Erweiterung und schlechtem Wetter im April. Es ist einfach unheimlich stark. Wenn ich es jetzt weiter schröpfe, verringert sich dadurch der Honigertrag.
Nun habe ich diese Woche in der ADIZ von einer Methode gelesen, die ein Volk nicht schwächt und die ich bisher nicht kannte: der Schwarmverhinderung durch Brutdistanz. Erläutert wurde sie in der Monatsbetrachtung Mai (Heft 5/2012) von Dr. Marc-Wilhelm Kohfink, einem Berliner Stadt- und Bio-Imker.
Schwarmverhinderung durch Brutdistanz
Hierbei entnimmt man dem Volk alle verdeckelten Brutwaben (und eventuell noch weitere) und hängt sie in eine separate Zarge. In der ersten und zweiten Zarge lässt man jeweils eine Wabe mit offener Brut. Die entstandenen Lücken füllt man mit Mittelwänden oder Leerwaben auf. Die separate Zarge mit den Brutwaben hängt man über den Honigraum, also ganz obenauf.
Die Theorie, warum das schwarmverhindernd wirkt, ist folgende: Zum Schwärmen braucht das Volk Brut. Grob gesagt, die Flugbienen und die Brut sind getrennt und daher schwärmen die Flugbienen nicht ab.
Laut Kohfink funktioniert diese Methode auch noch, wenn das Volk schon kurz vorm Schwärmen steht. Ich habe diese Methode heute bei meinem Volk B angewendet, denn es baut immer noch fleißig Schwarmzellen. Zwei verdeckelte habe ich gefunden, die muss ich das letzte Mal übersehen haben. Der Reihe nach bin ich so vorgegangen:
- Honigzarge abgehoben und beiseite gestellt.
- Zweite Brutzarge abgehoben und beiseite gestellt (so hinstellen, dass die Königin nicht verloren gehen kann!)
- Weiselzellen keinesfalls brechen, bevor die Königin gesichtet wurde!
- Leerzarge aufgestellt.
- Sämtliche verdeckelte Brutwaben der unteren Zarge nach Königin abgesucht und in die Leerzarge gehängt.
- Reine Honigwaben der unteren Brutzarge beiseite gestellt¹.
- Untere Zarge mit zwei Leerwaben und Mittelwänden aufgefüllt.
- Alle Waben der zweiten Brutzarge gezogen, nach Königin abgesucht und hinterher auf die erste Zarge wiederaufgesetzt.
- auch hier überzählige Honigwaben entnommen und Brutwaben in die Leerzarge gehängt.
- Königin gefunden, welche ungezeichnet war.² Königin vorsichtig in die untere Brutzarge befördert.
- Drohnenrahmen ausgeschnitten und wieder eingehängt.
- Zarge mit Mittelwänden aufgefüllt.
- Absperrgitter aufgesetzt.
- Leere Waben aus der Honigzarge entfernt und die beiseite gestellten Honigwaben eingehängt.
- Honigzarge aufs Volk gestellt.
- Distanzzarge (ehemalige Leerzarge):
- Hier befindet sich jetzt alle verdeckelte Brut inkl. aufsitzender Bienen.
- Nach Weiselzellen abgesucht und Weiselzellen gebrochen.
- Zarge mit Mittelwänden aufgefüllt und aufs Volk gesetzt.
- Volk geschlossen.
- Drohnenbrut mit nach Hause genommen und eingefroren.
¹ Durch gute Tracht war der Brutraum stark verhonigt. Um Platz für Brut zu schaffen, habe ich einige Honigwaben gleich mit nach oben gehängt.
² Sieht so aus, als hätte das Volk irgendwann einmal still umgeweiselt. Dass es sich hierbei um eine neue Königin handelt und die alte schon abgeschwärmt ist, schließe ich aus zweierlei Gründen aus: Das Volk ist stark wie eh und je. Es baut immer noch Schwarmzellen.
Ich bin jetzt natürlich sehr gespannt, ob diese Methode Erfolg zeigt.
Wanderung Volk A
2. Mail 2012
Volk A: Wanderung und Erweiterung
Heute habe ich noch Volk A zum neuen Standort gebracht, weil es gestern zu spät geworden war, um das noch zu tun.
Da Volk A noch auf zwei Zargen saß, bestand hier nicht das Unterbringungsproblem im Auto. Prinzipiell war sonst das gleiche zu tun wie gestern:
- Sobald es dunkel war das Flugloch geschlossen und das Volk mit Wandergurt verschnürt.
- Ins Auto geladen und an den neuen Standort gefahren.
- Dort das Volk aufgestellt.
- Schleier aufgesetzt und den Deckel abgenommen.
- Absperrgitter und ersten Honigraum aufgesetzt.
- Volk verschlossen und mit Stein beschwert.
Das Volk ist noch recht stark, daher hoffe ich, dass sie die Rapstracht nutzen können, auch wenn sie durch den Königinverlust gerade etwas in Brutverzug kommen.
Kontrollen und Wanderung
1. Mai 2012
So, nachdem ich jetzt fast zehn Tage nicht da war, standen natürlich die spannenden Kontrollen an:
- Haben die Völker A und B2 Königinzellen angelegt, d.h. „nachgeschafft“?
- Will Volk B immer noch schwärmen oder hat das Schröpfen durch Ablegerbildung ausgereicht?
Des Weiteren habe ich vor, zum ersten Mal ein paar Kilometer zu wandern. Der Grund: Hier im Ort wird dieses Jahr fast kein Raps angebaut, im Gegensatz zum letzten Jahr. Ein Landwirt hat mir angeboten, meine Völker an seine Felder im Nachbarort zu stellen. Luftlinie sind das rund 6 km. Das bedeutet, die Völker sind außerhalb ihres jetzigen Flugkreises und somit sollte keine Probleme entstehen.
Volk A
Zunächst die einfache Aufgabe: Volk A geöffnet, einige Brutwaben gezogen und erfreut festgestellt, dass sich unter den verdeckelten Zellen auch mindestens zwei Weiselzellen befinden.
Fazit: sehr gut. Ich hoffe, dass Volk A vielleicht trotzdem noch stark genug für die Rapstracht ist, oder zumindest noch die Lindentracht voll ausschöpfen kann. Das Dumme beim Verlust einer Königin in der Saison ist immer, dass für ca. vier Wochen Brut ausfällt. Das hängt damit zusammen, dass keiner Eier legt, solange die Königin noch selbst in der Weiselzelle steckt. Wenn sie dann geschlüpft ist, vergehen noch ein paar Tage, bis das richtige Wetter für den Hochzeitsflug herrscht, und erst danach beginnt die neue Königin mit der Eiablage.
Volk B
Hier habe ich leider viele neue Weiselzellen gefunden, d.h. weitere Maßnahmen sind nötig. Ich habe daher beschlossen, noch zwei Brutwaben mit verdeckelter Brut an den Ableger abzugeben, damit die B-Königin Platz zum Eierlegen erhält.
- leider viele neue Weiselzellen gefunden, zwei davon verdeckelt
- alle Weiselzellen gebrochen (2. + 1. Zarge)
- Honigraum noch leicht
- zwei verdeckelte Brutwaben (jeweils eine aus der ersten und zweiten Zarge) in Ableger B2 umgehängt und durch Leerwaben ersetzt
- Baurahmen ist ausgebaut aber noch nicht verdeckelt
Volk B2 - der neue Ableger
Der neue Ableger entwickelt sich gut.
- mindestens zwei Weiselzellen angelegt
- Zuckerwasser aufgebraucht
- zwei verdeckelte Brutwaben (ohne Bienen) aus Volk B eingehängt (siehe oben)
- Leerzarge aufgesetzt
- 1/4 Liter Honig aus Sonnenwachsschmelzer gegeben¹
- Volk einen Meter nach links auf die Waage versetzt (siehe unten)
¹ Seit kurzem habe ich einen Sonnenwachsschmelzer. Beim Schmelzen der alten Waben aus Volk A und sonstigen fällt auch immer mal Honig an. Diesen habe ich in ein Gefäß laufen lassen und verwende ihn zur Ablegerfütterung.
Wanderung
Ich werde die Wirtschaftsvölker B und A zu den Rapsfeldern im Nachbarort versetzen. Leider leider kann ich die Bienenwaage dorthin nicht mitnehmen, da dort natürlich kein Funkempfänger in der Nähe ist. Deshalb verschieben sich die Daten jetzt ungemein, da anstelle von Volk B nun B2 auf die Waage kommt. Bei der Verrückung um einen Meter nach links sollten die B2-Bienen aber in der Lage sein, ihre Heimstatt wiederzufinden.
Die Verlagerung von Volk B in den Nachbarort war nicht ganz einfach, weil ich in meinem Auto nur maximal zwei Zargen übereinander unterbringe. Das bedeutet, dass der Honigraum zuviel ist. Daher musste ich das Volk aufteilen, um es transportieren zu können. Der ganze Umzug lief folgendermaßen ab:
- Gewartet bis es dunkel ist, damit alle Flugbienen zu Hause sind.
- Honigraum abgenommen und mit einsitzenden Bienen (ich wollte sie nicht abkehren) auf einen Extra-Boden gestellt und einen Deckel aufgesetzt. Dann Flugloch mit Schaumstoff verschlossen und das Volk mit Wandergurt verschnürt.
- Die erste und zweite Zarge zusammen gelassen, Flugloch mit Schaumstoff verschlossen und alles verschnürt.
- Beide Volksteile ins Auto geladen, inkl. Europalette.
- Am Zielort Europalette kippelsicher aufgestellt und die unteren beiden Zargen auf eine Seite der Palette gestellt. Die andere Seite bleibt frei für Volk A.
- Schleier aufgesetzt. Bienen können nach einem Transport ganz schön sauer sein und einen direkt angreifen. Haben meine aber zum Glück nicht gemacht.
- Deckel abgenommen und Absperrgitter aufgelegt.
- Honigraumzarge von ihrem Boden abgehoben und auf die anderen beiden Zargen gestellt.
- Deckel vom Honigraum abgenommen und die Bienen, die sich im Transportboden aufhielten, in das Volk abgestoßen.
- Abdeckfolie, Deckel und Metallhaube aufgesetzt und mit mitgebrachtem Stein beschwert.
- Flugloch geöffnet.
- Transportboden und -deckel wieder mitgenommen.
Hier sieht man sehr schön, dass man immer eine Garnitur an Komplettzargen mehr haben sollte, als man Völker hat.
Die ganze Aktion hat rund drei Stunden gedauert – entsprechend geschlaucht war ich hinterher, obwohl ich Hilfe hatte. Völker umsiedeln ist eine elende Schlepperei. Der Raps sieht aber aus, als würde er noch eine Weile blühen, also hoffe ich einfach, dass es sich gelohnt hat.
Schwarmkontrolle B1
19. April 2012
Man merkt, die Bienensaison hat so richtig begonnen, jetzt muss man öfter Blog-Einträge schreiben ;)
B1
Heute war Schwarmkontrolle beim Ableger vom Vorjahr, B1, angesagt.
- Obere Zarge abgehoben und Unterseite nach Weiselzellen abgesucht
- Oberseite der unteren Zarge nach Weiselzellen abgesucht, dann Zarge angekippt und von unten nach Weiselzellen abgesucht
- Keine Weiselzellen gefunden
- Eine Brutwabe herausgenommen:
- Brut in allen Stadien & gutes Brutbild
- Genug Futter
- Obere Zarge wieder aufgesetzt und Brutbild von oben eingeschätzt:
- auch oben Brut
- insgesamt ca. 4 Brutwaben pro Zarge
- Drohnenwabe (zweite von rechts) gezogen:
- noch nicht fertig ausgebaut
- z.T. Honig in den oberen Zellen
- Königin lief auf dieser Wabe herum
- Absperrgitter + ersten Honigraum aufgesetzt
Fazit: keine Probleme, bin sehr zufrieden mit diesem Volk
Unbeständiger April
18. April 2012
Heute war ein ziemlich aufregender Abend. Der Bienensachverständige war mit mir bei den Völkern A und B, um sie auf die Krankheit Faulbrut zu untersuchen.
Die gute Nachricht: Die Völker sind gesund.
Die schlechten Nachrichten: Die A-Königin legt keine Eier mehr. Das B-Volk ist hochgradig in Schwarmstimmung.
Daher waren einige Eingriffe vonnöten.
Volk A
Es war keinerlei offene Brut, nur noch vereinzelte verdeckelte Brut vorhanden. Die Königin lief aber quicklebendig über die Wabe. Die Diagnose hier lautet: die Königin ist zu alt/schwach/krank. Wenn man das Volk jetzt sich selbst überließe, würde es eingehen. Interessant war, wie unruhig das Volk selbst war. Der Bienensachverständige meinte, das hinge mit der Brutlosigkeit zusammen.
Es blieb nichts anderes übrig, als die Königin zu töten. Damit das Volk sich eine neue Königin nachziehen kann, habe ich ihm eine Brutwabe aus Volk B mit Eiern zugehängt (ohne Bienen). Jetzt heißt es warten. Die Königin hat eine Entwicklungszeit von 16 Tagen. Wenn ich in ein paar Tagen nachschaue, müssten die Bienen einige Larvenwaben zu Königinnenzellen ausgezogen (= vergrößert) haben.
Volk B und B2
Bei der Durchsicht von Volk B auf Faulbrut war mit dem Ziehen der ersten Brutwabe klar, dass das Volk schwärmen will: An der Rähmchenunterseite befanden sich mehrere bestiftete Weiselzellen. Da ich das Risiko nicht eingehen will, dass das Volk schwärmt, habe ich beschlossen, einen Ableger zu machen, um die Schwarmstimmung zu dämpfen („Schröpfen“). Während ich alle Waben in den beiden Bruträumen gezogen habe, um die Weiselzellen zu entfernen, habe ich gleich fünf Waben ausgesucht, die ich in eine neue Zarge zur Bildung eines neuen Volkes (B2) gehängt habe.
- 1 Brutwabe mit Eiern zur Königinnachschaffung
- 1 Brutwabe mit verdeckelter Brut zur Volksverstärkung
- 2 Pollenwaben
- 1 Honigwabe
- 500 ml Zuckerwasser an Stelle der Rähmchen 1+2
- kleinste Fluglochöffnung
Die Besonderheit bei diesem Brutableger ist, dass ich ihn nicht an einen anderen Standort stelle. Dadurch werden die Flugbienen ins Muttervolk zurückkehren und nur die Ammenbienen bleiben im Ableger. Das funktioniert auch (laut Buch), ist aber natürlich ungünstiger. Der Grund, warum ich den Ableger nicht aus dem Flugkreis schaffe, ist, dass die Bildung des Ablegers so überraschend kam, dass ich keine Zeit hatte, einen Standort für ihn zu organisieren.
Ich bin sehr gespannt, ob und wie gut das funktioniert. Wenn ich am Freitag nach dem Ableger schaue, wird sich auch beim ihm zeigen, ob er Königinnenzellen gezogen hat oder nicht.
Bei B wird es jetzt richtig stressig: Im Abstand von 7-10 Tagen muss jetzt kontrolliert werden, ob wieder Weiselzellen angelegt wurden. Das kann bis in den Juni dauern. Wenn das Volk weiterhin so stark ist und die Schwarmstimmung nicht abebbt, werde ich weitere verdeckelte Brutwaben zu B2 hängen – das dämpft die Schwarmstimmung bei B und hilft B2 in der Entwicklung.
Aufmerksame Leser oder Leser mit Erfahrung werden sich jetzt wundern, warum ich nicht eine Wabe mit Weiselzelle in den Ableger gehängt habe. Die Antwort ist: Dummheit des Imkers. Als mir das einfiel, war es schon zu spät, da hatte ich alle Weiselzellen schon beseitigt.
Es ist ein bisschen wie bei Computern: da sitzt das Problem meistens vorm Monitor. Beim Imkern steht das Problem meistens hinter der Beute ;)
Beschreibung
In diesem Blog schreibe ich von meinen ersten Imkerversuchen. Dazwischen wird sich auch immer das ein oder andere finden, das mich überdies beschäftigt.
Interessante Seiten
Leseliste
Wikibooks – Einführung in die Imkerei
Das Bienenjahr, E.G. Pinkpank, 1961
Imkerliche Fachkunde, 1968
Die Bienenweide, Schick/Spürgin